Pressestimmen zu „Featuring The Refugees“

Posted on Mai 9, 2012

von Musikwoche.de, Manfred Gillig-Degrave, 18.5.2012
 
Heinz Ratz, Musiker, Sportler und Schriftsteller, ist als politischer Liedermacher mit seiner Band Strom & Wasser seit Jahren aktiv. Schon bisher nahm er als scharfsinniger Beobachter die Verhältnisse aufs Korn und blickte dabei musikalisch immer wieder über den Tellerrand hinaus – was dem Album „Emotionsdesign“ (2009) einen Preis der deutschen Schallplattenkritik einbrachte.
Für diese neue Produktion ging Ratz einen Schritt weiter: Er holte Musiker aus aller Welt wenigstens für kurze Zeit aus den unwürdigen Verhältnissen in deutschen Flüchtlingslagern, um mit ihnen ins Studio zu gehen. So entstand ein buntes Programm, das Weltmusikwurzeln mit Rock, Rap und Reggae in einen außergewöhnlichen Kontext stellt.

Dabei glänzt zum Beispiel der Sänger Revelino von der Elfenbeinküste im Reggae „Babylon“; Dwada Nyassi aus Gambia schöpft mit „Bamba“ aus westafrikanischer Griot-Tradition; Roma-Musiker aus dem Kosovo und aus Mazedonien spielen beseelten Balkan-Blues. Andere Akteure kommen aus Russland, Iran, Afghanistan, Äthiopien und Kenia. Einen Höhepunkt steuert der 18-jährige Rapper MC Yaxie Yax aus Somalia mit „Hard To Maintain“ zum Programm bei, wobei er von der 17-jährigen Griechin Olga unterstützt wird.

MC Yaxie Yax soll aus Deutschland abgeschoben werden, gegen diese Maßnahme wendet sich eine Bundestagspetition. Sein Schicksal ist ungewiss wie das der meisten Musiker auf diesem Album. Indem Ratz dafür sorgte, dass sie mit ihm Musik machen dürfen, lenkt er die Aufmerksamkeit auf die entwürdigenden Zustände, in denen Asylbewerber in Deutschland leben müssen.
So gesehen ist dieses Album ziemlich deprimierend. Doch es steht auch beispielhaft für die kreative Kraft, die all diese Musiker entfalten, wenn sie die Chance haben, im Studio oder auf der Bühne zu zeigen, was sie können.
Und so leistet Heinz Ratz, der als Bassist stets für swingende Erdung der verschiedenen Musikstücke sorgt und mit Strom & Wasser eine bestens aufeinander eingespielte Band um sich hat, in der Tat Pionierarbeit. Deshalb beeindruckt dieses Album als musikalisches ebenso wie als politisches Manifest.
 


 
von sound-and-image.de, Klaus Halama, 18.5.2012
 
Unglaublich aber wahr: Es gibt noch ein paar Menschen unter uns, die was machen. Nicht Shoppen gehen, nicht Party machen und auch keine Sprüche kloppen. Die statt dessen etwas bewegen wollen, mit ganz konkreter Aktion gezielt etwas verbessern wollen. Heinz Ratz heißt der Mann und er hat mit seiner Band „Strom und Wasser“ in der Vergangenheit viel im Schlamm der Gesellschaft gewühlt. 2011 hat er sich auf die „1.000-Brücken-Tour“ gemacht und knapp 80 Flüchtlingslager in unserem Land besucht. Was ihm dabei widerfahren ist, war teilweise mehr als haarstreubend. Genug Stoff für mehrere Panorama-, Fakt- oder Monitor-Sendungen. Flüchtlingslager in Deutschland sind nicht nur nach seiner Meinung die KZs von heute. Um da wenigstens ein wenig Licht in die dunklen Zellen der menschenverachtenden Zustände zu bringen, hat er unter immensen Schwierigkeiten mit einem großen Schwung Musikern aus diesen Lagern sowie mit ein paar deutschen Freunden dieses einzigartige Prtojekt auf die Beine gestellt. Roma, Afrikaner, Afghanen, Iraner, Griechen und Russen kommen hier musikalisch zu Wort, berichten in ihren Sprachen und Musiktraditionen von der Trostlosigkeit um sie herum. Reggae, HipHop, Gypsy, Afro-Blues und Folk sind die Elemente, aus denen sich das 16-teilige Repertoire dieser CD zusammensetzt. Vielsprachige Zeugnisse hoffnungsloser Tristesse, aber auch ein hoffnungsvolles Statement, dass wenigstens ETWAS geht. Gewidmet all denjenigen, die das alles nicht mehr ertragen wollten und sich umgebracht haben. Leute wie Heinz Ratz sind wertvoller als alle deutschen Politiker zusammen. Also: Konzerte und Festivals besuchen, wo Strom und Wasser mit den Refugees anzutreffen sind. Und die wirklich coole CD lohnt sich allemal. Geht jeden an.
 


 
von triggerfish.de, Regina Sommerfeld , 18.5.2012
 
Wahre Weltmusik
Heinz Ratz ist ein Guter. Alleine oder mit seiner Ska-Punk-Polka-Rock-Band STROM & WASSER nutzt er Musik für bewundernswerten politischen Aktionismus:
Mit seinem „Lauf gegen die Kälte“ machte er 2008 auf die Not von Wohnungslosen aufmerksam. Mit seiner Band spielte er in 30 verschiedenen deutschen Städten und sammelte Spenden für soziale Projekte und gegen soziale Härte. Ein Jahr später folgte die sogenannte Schwimmtour „Die Lee(h)re der Flüsse“ mit Konzerten in 52 Städten zugunsten regionaler Artenschutzprojekte. Nun steht er in den Startlöchern für „Die Tour der 1.000 Brücken“, um seinem „moralischen Triathlon“ die Krone aufzusetzen.
Während seiner Reisen der letzten Jahre und vor allem durch Besuche in deutschen Flüchtlingsheimen hat Heinz Ratz Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennengelernt, die als Asylbewerber in Deutschland leben. Sie sind es, die auf dem Trockenen rudern, mit der großen Sehnsucht im Herzen und doch am Vorankommen gehindert, wie es das Cover eindrucksvoll versinnbildlicht. Heinz Ratz gab ihnen Strom und Wasser, indem er sie nach Hamburg ins Studio einlud, um mit seiner Band STROM & WASSER gemeinsam eine CD aufzunehmen. Die 30 Musiker aus elf Ländern spielen und singen in 16 Stücken ihre eigenen Lieder, Musik aus den und für die Seelen.
Mit „We Are One“ startet das Album in feinstem Dacehall-Reggae und mit „treat us human“ ertönt der erste Hilferuf. Es geht weiter mit coolem Hip Hop bei „Hard To Maintain“, in dem besonders der deutsch gesungene Part der 16-jährigen Olga wütend und ehrlich aufhorchen lässt. Es folgen zahlreiche folkloristische Stücke, klassischer Reggae und Rap-Einlagen. Vor allem bei den den afrikanischen Musikern werden melancholische Emotionen über den Gesang transportiert und besonders eindringlich ist der Hip-Hop-Song „Wenn Du gefangen bist“ über den Alltag und die Sorgen als Flüchtling, untypisch begleitet von Klavier und Streichern. Ein Höhepunkt ist das Stück „Schicksale“, in dem Heinz Ratz in gesprochenen Worten und erzählender Geschichte alle beteiligten Seiten der Problematik beleuchtet. Bei dem Satz „in Deutschland haben Lager Tradition“ gefriert einem das Blut in den Adern …
Der letzte Track, das 12 Minuten lange „Alle bleiben“, beginnt mit einem traurigen Klavier, das aber schon bald von fröhlichen Bläsern und Reggae-Beat abgelöst wird. Alle beteiligten Musiker stellen sich einzeln in ihrer Landessprache vor und der Kreis zu „We Are One“ schließt sich.
Das gesamte Album ist erstklassig produziert und bietet wahre Weltmusik, mal warm, mal wütend, einfach wunderbar. Heinz Ratz gibt jenen Menschen eine Bühne, die Liebe zur Musik in sich tragen und ausleben wollen. Zusammen werden sie auf Tour gehen. Der gemeinnützige Verein „autofocus Videowerkstatt e.V.“ möchte die Tour begleiten und einen dokumentarischen Roadmovie drehen, wofür dringende finanzielle Unterstützung gebraucht wird. Wer diese CD gehört hat wird gar nicht anders können: Man will helfen. Für die Musik, Menschlichkeit und Mitbestimmung.
STROM & WASSER legen einmal mehr den Föhn in die duftend, warm und pflegend gefüllte Badewanne der Ignoranz und Gleichgültigkeit. Elektrisiert lege ich mich gerne dazu.
 


 
von Musikwoche #21, (gil), 16.05.2012
 
Heinz Ratz ist als politischer Liedermacher mit seiner Band Strom & Wasser seit Jahren aktiv. Bisher nahm er als scharfsinniger Beobachter die Verhältnisse aufs Korn und blickte dabei musikalisch immer wieder über den Tellerrand hinaus – was dem Album „Emotionsdesign“ (2009) einen Preis der deutschen Schallplattenkritik einbrachte. Für diese Produktion ging Ratz einen Schritt weiter: Er holte Musiker aus aller Welt wenigstens für kurze Zeit aus den unwürdigen Verhältnissen in deutschen Flüchtlingslagern, um mit ihnen ins Studio zu gehen. So entstand ein buntes Weltmusikprogramm mit Roma-Musikern und mit Akteuren aus Somalia, Gambia, Russland, Iran, Afghanistan und anderen Ländern, das als musikalisches ebenso wie als politisches Manifest beeindruckt.